Bernburg (Saale) - Reformationsstadt Europas

 

Die Stadt Bernburg (Saale) liegt im Herzen Sachsen-Anhalts zwischen Magdeburg und Halle. Erstmals wurde die ehemalige anhaltische Residenzstadt im Jahr 961 als "civitas brandanburg" urkundlich erwähnt.
Die Reformationsgeschichte Bernburgs ist eng mit dem Wirken von Fürst Wolfgang von Anhalt (1492 - 1566) verbunden. Auf dem Reichstag zu Worms lernte Wolfgang 1521 Martin Luther kennen und schätzen. Der Fürst förderte schon vor 1526 in seiner Bernburger Herrschaft die Reformation. Damit zählt Anhalt-Bernburg zu den ersten evangelischen Territorien im Reich. Fürst Wolfgang vertrat die Interessen der evangelischen Stände und trat dem Torgauer Bund bei. Er zählte, als einer der sechs fürstlichen Wortführer der Protestation auf dem Reichstag zu Speyer 1529, zu den ersten "Protestanten" der Weltgeschichte. Auf dem Reichstag zu Augsburg unterzeichnete Wolfgang 1530 die "Confessio Augustana" und gehörte zu den Initiatoren des Schmalkaldischen Bundes.


Als weltweit einzigartiges Denkmal der Fürstenreformation kann das in den Jahren 1538/39 - zu Lebzeiten Luthers - errichtete Haus des Fürsten Wolfgang auf der Bernburger Burg, die sogenannte "Leuchte", gelten.
Bei der künstlerischen Konzeption des Gebäudes kam es zu einem kongenialen Zusammenwirken vom fürstlichem Bauherren und seinem Baumeister, dem aus Komotau stammenden Architekten Andreas Günther. Günther arbeitete zuvor noch im Auftrag von Luthers schärfstem Gegner, Kardinal Albrecht von Brandenburg, an dessen Neuer Residenz in Halle. Er gehörte zu den profiliertesten Architekten seiner Zeit. Ein Halbrelief zeigt eine von einer Versillustration zu Hans Sachs inspirierten Szenerie. In diese eingebettet findet sich das Porträt Andreas Günthers neben einem aus der ersten Bibelübersetzung Martin Luthers entnommenen Zitat.
Das Bildprogramm des Gebäudes zeigt Halbreliefs von Fürsten, die in Beziehung zu den Askaniern standen und im Hinblick auf die Reformationsbewegung bedeutend waren. Dargestellt sind Johann Friedrich der Großmütige, Fürst Georg III. von Anhalt-Dessau, Fürst Joachim von Anhalt, Johann Ernst von Sachsen-Coburg, Herzog Philipp von Braunschweig, Kurfürst Joachim II. von Brandenburg und auch Kaiser Karl V. Die in ihrer Aussage singuläre künstlerische Gestaltung macht die "Bernburger Leuchte" zu einem "Bekenntnisbau" des protestantischen Fürstenstandes. Derzeit wird die Schmuckfassade der "Leuchte" restauriert, um im Jubiläumsjahr 2017 wieder bewundert werden zu können.
Das Museum Schloss Bernburg besitzt eine der ältesten und kostbarsten Ausgaben von Luthers Werken. Von den ursprünglich zwölf Bänden der Ausgabe aus den Jahren 1548 bis 1583 sind heute noch zehn Bände vorhanden und befinden sich in einem guten Erhaltungszustand. Band II, der wertvollste des gesamten Bestandes, wurde 1548 von Hans Lufft, einem der ersten Wittenberger Bibeldrucker und Buchhändler, hergestellt.
Im Jahr 2008 errichtete die Stadt Bernburg (Saale) im Kurpark eine Edelstahlstele, welche auf die Legende der "Wolfgangspforte" hinweist. In der Schlacht bei Mühlberg verloren die Protestanten 1547 den Schmalkaldischen Krieg. Fürst Wolfgang zählte zu den Besiegten und so wurde Bernburg besetzt. Der Fürst selbst soll durch eine heute vermauerte Fluchttür im Servitenkloster aus der Stadt geflohen sein. Nur die Stele und leichte Umrisse im Mauerwerk weisen noch heute auf die Sage von der "Wolfgangspforte" an der Südseite des Klosters im heutigen Kurpark hin.


Die Stadt Bernburg (Saale) ist von Beginn an ein wichtiger Ort auf dem Lutherweg in Sachsen-Anhalt. Seit 2013 ist die Stadt Mitglied der Lutherweg-Gesellschaft. Am 18. Mai 2017 ist Bernburg die letzte Station auf dem Europäischen Stationenweg vor der Lutherstadt Wittenberg.



Weitere Informationen unter:

Tourismus: www.bernburger-freizeit.de

Kirchenkreis Bernburg: www.landeskirche-anhalts.de/gemeinden/bernburg

Evangelische Landeskirche Anhalts: www.landeskirche-anhalts.de 

Reformationsstädte Europas: http://reformation-cities.org/