Biografie Philippsthal
WIR ERINNERN AN
- MINNA PHILIPPSTHAL
Minna Philippsthal, geb. Seelig wurde am 16.7.1871 in Inowrozlaw geboren. Ihr Geburtsort wird in den Listen, die die Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Bernburg ab 1941 vorbereiten, als Hohensalza (in der Region Posen) bezeichnet.
Wann sie Hugo Philippsthal heiratete, ist bisher nicht bekannt. Das Ehepaar ist nach den Angaben in Bernburger Adressbüchern erstmals 1904 eingetragen. Sie waren Mieter im Haus Breite Straße 42 a, in dem Hugo Philippsthal bis zu seinem Tod im Alter von 58 Jahren am 8. September 1921 ein Garderobengeschäft betrieb. Sein Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof ist erhalten.
Minna Philippsthal lebte als Witwe weiterhin in diesem Haus, das einen deutschstämmigen Eigentümer hatte, auch noch, als längst „arische“ Hausbesitzer jüdischen Mietern kündigen mussten. Erst im Januar 1942 musste die 71-Jährige in das Haus Mühlstraße 2 umziehen, das sich im Besitz der Jüdin Pauline Israel befand und in dem noch eine weitere Jüdin, Therese Bendix, lebte. Die drei Damen standen im November 1942 gemeinsam in der 20 Personen umfassenden zweiten und letzten Deportationsliste. Allerdings wurden die Namen von Pauline Israel und Therese Bendix per Hand in dem maschinengeschriebenen Dokument durchgestrichen und mit dem Vermerk „tot“ versehen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass Minna Philippsthal das Drama um die Doppelselbsttötung der Mitbewohnerinnen miterlebte. Sie wurde wenige Tage danach, am 16. November 1942 über Magdeburg in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort kam sie am 24. April 1944 im Alter von 72 Jahren uns Leben.
Nach Angaben im Sterbe-Register des Israelitischen Kranken- und Beerdigungs-Vereins Bernburg hatte sie für sich bereits eine Grabstelle reserviert.
Text: J. Grossert, 25.07.2023


