Biografie Schwab

WIR ERINNERN AN

  • AMALIE SCHWAB, GEB. SAMSON UND HEINRICH SCHWAB

Amalie Schwabs Eltern, Hugo Samson (1847-1913) und Anna geb. Edel (1853-1921), betrieben eine Textilwarenhandlung – in Amalies Kindheit und Jugend in der Badergasse 15 und am Markt 34 und 28. Sie hatte eine ältere Schwester (Johanne Alice) und drei jüngere Brüder (Siegfried, Gustav und Hans). Amalie, die in Bernburg nur Mally genannt wurde und zuweilen mit ihrem Zweitnamen „Toni“ angegeben wird, heiratete den Viehhändler Josef Schwab, der bereits 1918 im Alter von 49 Jahren verstarb. Sie wurde somit mit 39 Jahren Witwe. Das einzige Kind, Heinrich (auch Henry genannt) war Jahrgang 1906.

Amalie lebte nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem noch minderjährigen Sohn allein im Markt 21, eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt, das 1975 abgerissen wurde. Es befand sich bis ca. 1928 im Besitz der Erben von Josef Schwab, danach in ihrem Besitz. Es ist durch Zeitzeugen überliefert, dass sie im Keller des Hauses, in den man direkt vom Gehweg aus gelangen konnte, Obst und Gemüse verkaufte. Dr. Leo Beckmann berichtete 1994, dass Mally eine überaus lebenslustige Frau war, wohl als erste Frau in Bernburg Saxophon spielte und damit auch im Kurhaus auftrat. Durch extravagante Kleidung und freundliches Wesen war sie stadtbekannt und beliebt.

Amalie Schwab besaß lt. Unterlagen der Volkzählung noch im Mai 1939 das Haus Markt 21. Die nächste bisher bekannte Quelle ist bereits die Deportation in das Ghetto Riga am 6.12.1941 ab Hamburg. Von ihrem Sohn Heinrich ist bekannt, dass er als Angestellter in Augsburg lebte, verheiratet war und ein Kind hatte. Im November 1938 wurde er – vermutlich im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom – in das KZ Dachau eingeliefert. Nach seiner Entlassung gelang ihm die Flucht in die USA. Er verstarb im März 1970 in New York.


Text: J. Grossert, 23.9.2024

Quellen:
- Bernburger Adressbücher
- Recherchematerial Gedenkstätte Bernburg
- Gedenkbuch des Bundesarchivs
- Recherchematerial Claudia Andrae (Aschersleben)
- Leo Beckmann: Maly Schwab. In: Schulgemeinschaft Carolinum und Friederiken-Lyzeum,
   Rundbrief Nr. 53, 12.1994